Herr Moises, Sie sind Gesellschafter der Team für Technik GmbH,
Erfinder des Wärmeverteil- und Übergabesystems 3+win sowie
Dozent an verschiedenen Hochschulen zum Thema Energieeffizienz.


Redaktion: Sie sagen: „Energieeffizienz ist der Einstieg in die Energiewende im Wärmesektor“
Was meinen Sie damit?

Wolfgang Moises: Nun, es muss klar sein, dass es nicht sinnvoll sein kann, stark ineffiziente Gebäude regenerativ versorgen zu wollen. Im aktuellen Gebäudebestand stehen vielfach Immobilien mit Nutzenergieverbrauchswerten im thermischen Bereich von ca. 200 kWh/a. Heutzutage bewegen wir uns jedoch auf einem Level von 20 kWh/m2a – 60 kWh/m2a. Es ist daher sinnvoll, erst ein Minimum des Energieverbrauchs erreicht zu haben, bevor regenerative Anlagen geplant werden.


Redaktion: Was meinen Sie, welche der beiden Grundsäulen der Energiewende ist wichtiger, die Energieeffizienz oder die regenerativen Energien?
Wolfgang Moises: Beides ist wichtig und baut aufeinander auf. Energieeffizienz ist finanziell interessanter, solange wir den Standard von zum Beispiel 200 kWh/m2a Nutzwärme auf bis zu 60 kWh/m2a senken können. Das geht mit überschaubarem Aufwand und hat, bezogen auf jede eingesparte kWh, entsprechend geringere finanzielle Auswirkungen. Unter dem gennannten Wert von 60 kWh/m²a wird der Aufwand für das noch effizientere Gebäude immer höher. Nun kommt allerdings sehr schnell der Punkt, an dem mit aktiver regenerativer Energiegewinnung ein geringerer Aufwand entsteht, als mit weiteren Effizienzmaßnahmen. Ergo gehört beides zusammen und funktioniert auch nur so, wenn man zu Niedrigstenergie-Gebäuden kommen möchte - ja sogar muss.


Redaktion: Regenerative Energien werden mittlerweile immer günstiger und marktfähiger. Wie steht es um die Energieeffizienz? Kann es nicht sein, dass dieser Bereich langsam unwichtig wird, da wegen des günstigen Energieangebots, weniger Kostendruck herrscht?
Wolfgang Moises: Das glaube ich nicht. Bis zu einem bereits genannten Wert von ca. 60 kWh/m2a ist Energieeffizienz preiswert und sinnvoll. So günstig kann regenerative Energie nicht werden, zumal besonders im Bereich der Heizung das Winterproblem besteht und eben auch teure saisonale Speicher erfordern würde. Man darf im Zusammenhang mit regenerativer Energie das jahreszeitliche Problem, viel Erzeugung im Sommer, viel Bedarf im Winter, niemals außer Acht lassen. Auch regenerative Energie ist CO2-Aufwand, in Herstellung, Betrieb und Entsorgung der Anlagen, wenn auch ein viel geringerer als bei fossiler Energiegewinnung. Letztlich gilt: „Die beste Energie ist die, die gar nicht benötigt wird“


Redaktion: Die Firma Team für Technik GmbH, bei der Sie auch Gesellschafter sind, ist außergewöhnlich stark in der Umsetzung und Planung von Energieeffizienz-Projekten. Sie behaupten sogar, Team für Technik ist die Speerspitze in Bayern. Wie kommen Sie darauf?
Wolfgang Moises: Wir sind im Team viele Ingenieure mit sehr unterschiedlicher Vorbildung und überhaupt ein überwiegend junges Team. Da wir sowohl in größeren Studien, in Energieberatung, aber auch in Planung und Umsetzung tätig sind, haben wir einen beachtlichen Horizont. Wir sind seit den 90er Jahren in dem Bereich tätig und haben daher viel Erfahrung.


Redaktion: Ihre Kunden haben großes Vertrauen in das fortschrittliche Denken im Bereich Wärme und Strom sowie in die Innovationskraft von Team für Technik? Wie schaffen Sie das?
Wolfgang Moises: Ich bin überzeugt, das liegt an unserer Erfahrung in diesem Bereich, außerdem haben wir einen hohen Bekanntheitsgrad am Markt.
Weiterhin beschäftigen wir uns auch auf verschiedenen Ebenen mit dem Thema: In Theorie, und Praxis, also in Beratung und Umsetzung.


Redaktion: Halten Sie Phantasie und Visionen für die CO2-freie Wärme- und Stromversorgung wichtig?
Wolfgang Moises: Ohne Phantasie keine Entwicklung. Mich erstaunt schon immer wieder was für Konzepte überlegt und umgesetzt werden. Noch vor wenigen Jahren waren Ansätze wie Passivhaus, Plusenergiehaus, Energieautarke Gebäude undenkbar. In den letzten 10 Jahren wurde hier enorm viel entwickelt und umgesetzt. Die Entwicklung wird weitergehen und die Preise für die Technik werden weiter fallen. Es muss jetzt in die Breite des Marktes gehen. Die technische Entwicklung für eine Energiewende ist hinreichend weit gekommen.


Redaktion: Was meinen Sie, wie viel Prozent Energie sparen Sie durchschnittlich bei Ihren Projekten ein?
Wolfgang Moises: Das hängt vom Projekt ab, 30 % – 40 % dürften es schon sein.


Redaktion: Wie hoch sind die durchschnittlichen Kosten für ein Einsparkonzept?
Wolfgang Moises: Ich denke, bei kleinen Anlagen um die 4.000 EUR, bei großen Konzepten können es bis zu 50.000 EUR sein, dazwischen je nach Größe und Aufwand.


Redaktion: Wie sieht es mit Fördermöglichkeiten aus, sind diese zufriedenstellend?
Wolfgang Moises: Im Grunde ja, aber diese sind viel zu undurchsichtig, zu inkonstant und zu komplex. Es gibt derzeit aber Entwicklungen zur Vereinfachung und Übersichtlichkeit. Ich kenne genug Bauherren, die heute aus den genannten Gründen von Förderungen absehen.


Redaktion: In welchen Bereichen kann in der Regel am meisten Energie eingespart werden?
Wolfgang Moises: Bei aller Euphorie über die sich schnell bewegende Stromwende werden die Bereiche Wärme und Verkehr etwas vergessen. Im Wärmebereich, der ca. 50 % unseres deutschen Primärenergiebedarfs ausmacht, lassen sich die größten Einsparungen erzielen. Sowohl baulich (Dämmung und Dichtigkeit von Gebäuden), als auch technisch (verbesserte Heizungen, Trinkwarmwasserbereitungen und raumlufttechnische Anlagen).
Der Verkehrssektor dreht sich seit 20 Jahren ohnehin im Kreis. Effizienzgewinne gleichen sich mit größeren und schwereren Fahrzeugen aus. Einsparungen beim Verbrauch und bei der Schadstoffemission sind in der Praxis kaum vorhanden, eher eine „kreative Buchführung“ bei nicht praxisgerechten Testverfahren.


Redaktion: Können Sie auch ein praktisches Beispiel mit Zahlen nennen?
Wolfgang Moises: Im Bereich Wärme ein ganz einfaches Beispiel: Wenn Sie ein altes Gebäude der 80er oder frühen 90er Jahre, meist ölversorgt, nur mit einer neuen Heizung mit Gas-Brennwerttechnik und Frischwasserstation nebst einer thermischen Solaranlage ausstatten, so können Sie alleine damit den Energieverbrauch um etwa 50 % senken.


Redaktion: Sie sind begeisterter Ingenieur, Dozent und Erfinder. Wie kam es dazu, dass Sie das Wärmeverteil- und Übergabesystems 3+win erfunden und patentiert haben?
Wolfgang Moises: Mir fiel bei einem Projekt auf, dass das Thema „Nutzung von Abwärme“ in Bayern in weniger dicht besiedelten Gebieten praktisch nicht möglich ist. Wir haben zwar viel Abwärme, aber nicht die Möglichkeiten, diese für Hausbesitzer nutzbar zu machen. Bestehende Fernwärmesysteme für dicht bebaute Gebiete sind vielfach in Betrieb, gut  und erprobt. Aber mit diesen Systemen kann nach heutigen Energiestandards kaum noch gearbeitet werden. Hier sind die Wärmebedarfe zu gering, die konventionellen Rohrsysteme zu teuer und zu verlustbehaftet. Daher werden wir in Zukunft fortentwickelte Wärmesysteme bekommen, die günstiger zu verlegen und zu betreiben sind und die weniger Verluste aufweisen. Das war der Ansatz für 3+WIN.


Redaktion: Was ist das Besondere an 3+win, und wer benötigt diese Technik?
Wolfgang Moises: Das Besondere ist die aktive Komponente beim Verbraucher der Wärme. Eine hier integrierte Wärmepumpe schafft so die Anpassung fast beliebiger Gebäudetypen (Altbau-Neubau) auf moderate Systemtemperaturen im Netz. Eine hohe Spreizung - das ist der Temperaturunterschied, zwischen dem Vorlauf und dem Rücklauf der Fernwärme - schafft geringe Umlaufvolumenströme und ermöglicht damit die Verwendung von kleineren, günstigeren Rohrleitungen sowie Pumpen mit weniger Leistung. Ein sehr geringer Rücklauf (10 °C – 20 °C) schafft Direktnutzung von Abwärme aller Art, Restauskühlung von Geothermie, beste Anwendung für Solarthermie und Wärmepumpen.


Redaktion: Gibt es schon Ergebnisse, Erfolge und positive Kundenaussagen?
Wolfgang Moises: Es gibt noch nicht allzu viele Projekte für solche Wärmesysteme.
In Bayern bekannt geworden ist das Nahwärmesystem in Dollnstein, an dem Team für Technik mitgewirkt hat. Aktuell sind weitere Projekte in Planung.


Redaktion: Sie haben sicherlich viel zu tun, was motiviert Sie, noch an Hochschulen spannende Vorlesungen zu halten?
Wolfgang Moises: Es ist eine ganz andere Tätigkeit und ein komplett anderes Umfeld. Es ist spannend über die Dinge zu berichten, die man tagtäglich berät, plant und umsetzt. Das unterscheidet mich von vielen Professoren, die doch mehr der Theorie verhaftet sind. Aus eigenen Projekten und bekannten Projektpartnern gibt es auch reichlich Anlaufpunkte für praktische Erläuterung vor Ort, im Rahmen von Exkursionen.


Redaktion: Sie scheinen Ihre Aufgaben zu lieben. Was motiviert Sie an Ihrer Arbeit am meisten?
Wolfgang Moises: Der Umbruch in der Branche, sich auf neue Ziele auszurichten.
Das „neue Denken“ von Versorgungs- und energietechnischen Anlagen macht mir Freude.


Vielen Dank für das interessante Interview!

Daniela Eberl - Redaktion Team für Technik